Don’t Push the Sounds

Solisten des Ictus Ensemble

This event has already taken place! 16
This event has already taken place! 16

»Klassische Musik ist immer zu lang, sogar wenn sie kurz ist« – wer es mit Franz Werfels Einschätzung hält, darf sich bei diesem Programm mit den brillanten Solisten des belgischen Ictus Ensemble auf doppelte Kurzweil freuen: Denn kein Stück darin ist klassisch, und keines dauert länger als zwölf Minuten. Das liegt natürlich auch am fragmentarischen Charakter einiger Kompositionen: So bricht Mahlers einzig erhaltenes Jugendwerk, das unvollendete Klavierquartett (1876), zu Beginn des zweiten Satzes ab – Alfred Schnittke hat dieses Scherzo 112 Jahre später in polystilistischer Annäherung eindrucksvoll zuende gedacht. Sparsamer im Gestus und doch abwechslungsreich in ihren Mitteln sind Mauricio Kagels »Klangwölfe« für Violine und Klavier (1978/79), die durch »spinnwebenfeine Klanglandschaften« streifen. Dass musikalische Energie keine Frage der aufgebotenen Kräfte ist, beweist auch die konzertante Fassung von Jérôme Combiers Streichtrio »Noir gris«, das 2006 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Jean Nouvel entstand und ursprünglich Ton- und Bildinstallationen integrierte. Eine kompakt-bündige »instrumentale Taschenoper«, eine Abfolge von fünf Etuden für Streichquartett, liefert Gérard Pesson mit »Respirez, ne respirez plus« (1993). Und er verkündet mit »La vita è come l’albero di natale« (1992), lakonisch kurzen Variationen über drei Takte aus Debussys Violinsonate, vorweg das geheime Motto des Konzertes: »Das Leben ist wie ein Weihnachtsbaum – immer gibt es jemanden, der die Kugeln zerbricht« (italienisches Sprichwort). In diesem Sinne: Willkommen, Bilderstürmer wider die klassische (K)langidylle.

Performers

Solisten des Ictus Ensemble

George van Dam violin

Igor Semenoff violin

Aurélie Entringer viola

Geert De Bièvre violoncello

François Deppe violoncello

Jean-Luc Fafchamps piano

Programme

Gérard Pesson
La vita è come l’albero di natale

Gustav Mahler
Klavierquartettsatz a-Moll

Alfred Schnittke
Klavierquartett nach einem Fragment Gustav Mahlers

Gérard Pesson
Respirez, ne respirez plus

– Interval –

Mauricio Kagel
Klangwölfe

Jérôme Combier
Noir gris